Clages Gallery | Pressetext // Bernhard Walter | xylocopa violacea
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Pressetext // Bernhard Walter | xylocopa violacea

Mürbes Holz berührt spiegelnde Tafeln. Manchmal sto en sie kaum aneinander, so dass
sich nur die Fingerspitzen berühren. Das Holz wird zerteilt, aufgetrennt und über
einen Zeitraum von mehreren Monaten der Sonne ausgesetzt, die Natur übernimmt. Die
Spiegelfl chen werden gut poliert, Glanz.
Das Holz wird vom Regen durchn sst. Es trocknet schlie lich aus, bleich, Staub und
Schmutz. Es wird ges ubert und ins Haus gebracht, gereinigt, mit gro er Sorgfalt
gepflegt. Eine Gruppe von Bienen besiedelt sukzessiv das Feld und baut ihre H hlen
in die Oberfl chen. Sie sind sehr sorgf ltig bei ihrer Arbeit und stecken viel
Liebe in ihr Tun.
„Die Bedeutung dieser Worte ist klar“.1 Diese Werke sind aus einer Kombination von
Materialien ins Leben gerufen, Holz, Spiegelglas und Silberplatten. Das Holz wird
sorgf ltig bearbeitet. Bei diesen Elementen handelt es sich nicht um gefundene
Materialien, noch um Produkte der industriellen Fertigung; sie sind nicht in einem
Gesch ft gekauft oder nach vorgegebenen Parametern gestaltet und hergestellt. Ihre
Provenienz folgt einer anderen Linie.  ber einen langen Zeitraum gehackt, ges gt
und geschnitten, gef llt und dann der Natur überlassen, wieder dem Leben
zurückgegeben. Die spiegelnde Tafel ist eine sauber polierte Oberfl che. Sie
befindet sich bereits im Besitz, so dass sie nur einmal die H nde wechseln muss, um
in das Werk aufgenommen zu werden. Die Silberplatten werden über einen Online-
H ndler bestellt und für die Ausstellung in die Galerie geliefert. Sie sind in der
Mitte des Raumes der ersten Etage in einer Matrix angeordnet. Mit dem Gesicht nach
unten müssen sie ganz still sitzen und den Atem anhalten. Sie werden alle mit viel
Aufmerksamkeit behandelt und gut poliert. Das Fenster in der oberen Ebene muss
w hrend der Besucherzeiten m glicherweise offenbleiben, das Zimmer ist von Silber
eingenommen.
„Ich werde es ihr ausrichten“2, ert nt eine Stimme aus dem hinteren Teil des
Raumes, bevor sie pl tzlich auflegt.
Zw lf Gem lde, keine Schatten, Schwebezustand. Sie sind direkte  bertragungen der
Figuren. Die Leinwand ist auf Holz aufgezogen, zentrisch grundiert, so dass einige
Ecken den freigelegten Stoff offenbaren. Die auf der Leinwand erschienenen Formen
korrespondieren genau mit den Objekten. Diese Bilder sind kein Versuch der
Repr sentation, sie stellen dar. In einem sehr ehrlichen Sinne sind sie nicht aus
der Neugier auf die verschiedenen Stadien der Abbildung geboren, auf das, was real
und was konstruiert ist, was ein Kunstwerk und was das Leben ist. Sie sind in
vielerlei Hinsicht sehr klassische Werke, die in einer langen malerischen Tradition
stehen. Aber w hrend sie die W nde hinaufklettern, finden sie sich in der Idee des
Konstituierens statt des Illustrierens begründet. Spuren eines eingefrorenen
Bildes, dessen Poesie aus der Sorgfalt und nicht aus der Semantik kommt. Diese 12
Bilder, die auf verschiedenen H hen h ngen, sind alle gezwungen, sich gegenseitig
anzuschauen und eine pers nliche Widmung zu rezitieren. Ihr Künstler steht in der
Ecke, Stille.
Daneben erscheinen rote Buchstaben. Sie sind direkt an die Wand geschrieben. Aus
der Kombination dieser ergibt sich ein einziger Name,
ANA M MENDIETA
1 Zitiert in: Verdict Due Today in Death of Artist, The New York Times, Feb. 11, 1988, Spalte
B, S. 5.
2 Zitiert in: Hoffman, J. (1988): Rear Window. The Village Voice, March 29, 1988, S. 27.