Clages Gallery | Claus Richter | Method Acting / Pressetext
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Claus Richter | Method Acting / Pressetext

Claus Richter | Method Acting

6 April 2019 – 18 May 2019

 

Es war einmal ein kleines Holzhaus, das mitten auf einer belebten Stadtstraße stand. Einst fuhren Autos auf ihrem Weg zur Arbeit an ihm vorbei und Spinnen lauerten auf seinem einst so wunderbaren Hof. Strategisch auf einem alten heidnischen Tempel gebaut, der bestialischem Appetit und der charmanten Bosheit der Menschheit gewidmet war,wurde dieses merkwürdige kleine Fleckchenvon einem geschickten Flötenspieler besetzt, der sowohl für die Damen als auch für Hasenbeschwörerschön anzusehen war. Eines Tages entkam eine Bande leuchtend roter Dämonen aus ihrem Gefängnis im siebten und schicksten Höllenkreis, gleich um die Ecke, wo die langweiligen Buchhalter, depressiven Internet-Memes und Barbara leben und stellten dem armen Flötenspieler nach. Sie husteten und prusteten, sie strampelten und trampelten, bis die Wände zerbröckelten und die Fenster zu nichts als dünner Luft verschmolzen, die nach süßer Zuckerwatte schmeckte. Es war jetzt ihr Reich; Ein Ort, den nun sie ihr Zuhause nannten, eine neue Höhle, um Pyjama-Partys zu veranstalten und um ihrem Vater, dem alten Knacker Dr. Satan Telefonstreiche zu spielen. Unbeeindruckt und völlig ungestört dessen fand der geschickte Flötist auf dem Dach Zuflucht. Er spielte weiter seine Musik und flüsterte seine Märchen über die guten alten Zeiten, als er sich am Nachthimmel Arizonas verirrte und nach grünem Fisch und Schinken suchte. Die Szene schien indes keinen großen Eindruck auf die mächtigen Götter hoch oben im Himmel zu haben, die weiterhin ihren täglichen Ritualen wie Kaffeetrinken, Marschieren der Armee, allgemeinem Aufhängen und Tagträumen am Brunnen der Stadt nachgingen. Denn laut Legende ist das Träumen immer noch frei.

 

„Ich tanze lieber mit dir als mit dir zu reden. Warum ziehen wir nicht einfach weiter in den anderen Raum?“, sagte der große, dunkle Fremde als die Party losging. Er und sein Date für den Abend, eine Puppe mit pinken Augen aus feinstem PVC, begaben sich auf die Tanzfläche. Sie wirbelten herum, tanzten den Boogie und hatten die Zeit ihres Lebens. „Heute ist Ladies Night – keine Jungs erlaubt“, sagte das blaue Walross, das an der Tür arbeitete. Der große, dunkle Fremde musste das Gebäude verlassen, und die rosarote Schönheit ging durch den alten deutschen Korridor und betrat den Raum. Schwule, burleske Soldaten, die auf Kronleuchtern hin- und herschwangen, trugen den schlimmsten Kampf aller Zeiten aus indem sie den Hokey Pokey und den ass-clap tanzten und twerkten.

 

Am Ende ihres Acid-Trips fand sie sich in einem Hinterraum wieder. Es war dunkel, die Fenster hielten den Atem an und bissen sich auf die Zunge. Drei rosa Laternen machten eine Raucherpause. Eine winzig kleine Spinne leistete ihnen in Gesellschaft, während eine Gruppe ehemaliger Stripper-Hexen ihre Zauberstäbe, Besen und BH-Träger reparierte.

 

Ein winziger Tänzer, der sich durch das Wunderland dieses höllischen Paradieses bewegte, stieg vom Erdgeschoss die Treppe empor und nahm eine zufällig eintreffende Achterbahn. Gerade als er den Höhepunkt der Fahrt erreicht hatte und kurz davor war, in den Abgrund zu fallen, holte er tief Luft und blickte in den Dschungel eines verlorenen Amazonas-Stammes. Anstelle von Bäumen füllte eine Gruppe fragiler Mondanbeter auf Stelzen den Raum so weit das Auge reichte – alle von ihnen waren leicht verärgerte, nervöse Redner. Der kleine Tänzer durchbrach die hölzernen Stelzen, ignorierte die Schreie und grinste im Angesicht der Gefahr. Er ging durch das Chaos der Tagträumer und befreite sich. Plötzlich wachte er auf. Mit offenen Augen starrte er auf die Mitternachtssonne. Unter seinem Bauch verbarg sich ein Paar sanfter Beine und ein gepunktetes Lächeln kämpfte auf seiner Oberlippe um sein Leben. Seine nächtlichen Albträume waren voll von Sternenstaub, Arsen, Kindheitserinnerungen, Meditationen aus der Cyber-Ära und dem Wunsch nach einer Flucht vor der Zukunft. Der Künstler, der durch die Vergnügungsparks seiner Hyperrealität fuhr, versteckte sich in der Ecke. Shhhh – Wecke ihn nicht.

 

Haris Giannouras