Clages Gallery | Monika Stricker – Wisteria – Pressetext
16775
page-template-default,page,page-id-16775,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-13.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.5,vc_responsive

Monika Stricker – Wisteria – Pressetext

18 Januar bis 2. März 2008

Der Titel „Wisteria“ der Ausstellung von Monika Stricker (*1978) eröffnet verschiedenste Assoziationsketten;
die eine auf den Schauplatz der amerikanischen Kult-Serie „Desperate Housewives“, einer Serie, in der Verschwörungen, Liebeleien und ein mitunter schauriges Beziehungsleben die Wisteria Lane zum Mittelpunkt von fünf verzweifelten Hausfrauen macht. Es beginnt eine düstere Studie über das heimliche Innenleben der makellos gepflegten Häuser der Wisteria Lane.

So geht es auch in der Arbeit von Monika Stricker:
um eine mit einem Polyesterstoff zweckentfremdete Skulptur. Die Zerrissenheit, der subtile Erotismus, welcher dem Betrachter hier vermittelt wird, erfährt eine Akzentverschiebung, indem der künstlerische Gestus zurückgenommen ist und dem Überborden visueller Eindrücke Platz schafft. Die Assonanz im Wort Wisteria leitet schnell über zum Wort Histera. Die Bezeichnung Hysterie (von griechisch hystera: Gebärmutter) dient als psychologischer Fachbegriff für eine neurotische Störung. Dem Begriff „Hysterie“ haftet eine Bedeutung an, die mit der vorgeblich geschlechterspezifischen Bindung zusammenhängt. Sehr lange wurde Hysterie sogar als eine ausschließlich bei Frauen auftretende, von einer Erkrankung der Gebärmutter ausgehende psychische Störung verstanden. Frauen, die unter Hysterie leiden, weisen diesem Krankheitsverständnis nach häufig bestimmte Persönlichkeitsmerkmale auf (ichbezogen, geltungsbedürftig, kritiksüchtig, unreflektiert etc.).

Die Motive des verknoteten Vorhangstoffes zeigen eine lasziv räkelnde, kokett schauende Frau mit Pferdefuß, die vom Sensenmann scheinbar entführt wird. Der Teufel wird häufig mit (zumindest) einem Pferdefuß dargestellt, der den Menschen gegenüber als Verführer und Verwirrer auftritt. Hier ist der Sensenmann der Überbringer des Eros in der Person der Frau in die Welt des Thanatos. Erst die Überschreitung des Tabus ermöglicht den Figuren auch die Transzendierung des Ich. Die Ekstase, das Außer-sich-sein, suchen sie im körperlichen Tabubruch und in körperlicher Selbstentäußerung.
Die Wisteria, eine Blume, auch Blauregen genannt, besitzt große Schlingkraft und neigt dazu, jedes Rankgerüst zu überwuchern. Die Wisterie ist aufgrund ihrer Wuchskraft in der Lage, die Bausubstanz eines Hauses derart zu schädigen, dass es baufällig werden kann.