Clages Gallery | Juan Pérez Agirregoikoa – Culture is what is done to us – Pressetext
16250
page-template-default,page,page-id-16250,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-13.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.5,vc_responsive

Juan Pérez Agirregoikoa – Culture is what is done to us – Pressetext

                                              

17. Januar bis 01. März 2014

„Art is what we do. Culture is what is done to us.“

(Carl André, in B. Rose und I. Sandler, „Sensibility of the Sixties“, 1967)

Mit dieser Aussage definiert Carl André seine Sichtweise auf die in den 1960er Jahren vollzogene Neuordnung der Serienproduktion und Massenkultur innerhalb der Kunst. Der Ausstellungstitel der aktuellen Einzelausstellung von Juan Pérez Agirregoikoa in der Galerie Clages verzichtet auf den ersten Teil dieses Zitates. Es ist das what is done to us, das Juan Pérez Agirregoikoa besonders interessiert und das von ihm in den Fokus dieser Ausstellung gerückt werden soll. Dieses what is done to us impliziert eine fast schon gewalttätige Unausweichlichkeit der kulturellen und gesellschaftlichen Konventionen. Allerdings wird genau dieses Moment in seinen aktuellen Arbeiten ausgeschaltet. Beinahe personifiziert machen sie sich frei von allen Erwartungen, die an sie gestellt werden. Sie wehren sich vor allem gegen tradierte Gepflogenheiten, die primär das zwischenmenschliche Verhalten beeinflussen. Seine sogenannten disabled drawings verneinen diese Formen und Regeln. Sie geben ungeniert Wahrheiten wieder, lassen Dinge einfach geschehen, denken nicht nach – sie reflektieren die Autonomie des Kunstwerkes in der Dialektik zwischen Moderne und Massenkultur, wie sie die Vertreter der Minimal Art der späten sechziger Jahre forderten. Motivisch konstruieren seine Arbeiten starke Bilder, die sich in einer Ambivalenz von Bekanntem und Ungeheuerlichem bewegen, während sie stets von einem Augenzwinkern begleitet werden. In meeting zeigt Juan Pérez Agirregoikoa bspw. einen Ringelreihentanz possierlicher Ratten. Er scheint damit das Sprichwort „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“ gemäß der Tradition der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts umgesetzt zu haben. Er parodiert mit diesen Ratten, die stellvertretend für Trunksucht oder Gefräßigkeit stehen, menschliches Verhalten. Er verweist in Form dieser tanzenden und gestikulierenden Tiere auf die Abgründe der menschlichen Natur, die er jenseits von Konventionen und Dogmen im Inneren eines Menschen vermutet. Was auf den ersten Blick romantisch, niedlich oder unaufgeregt anmutet, entpuppt sich auf den zweiten als eine radikale Persiflage gesellschaftlicher Verhaltensmuster. So wird das Alltägliche ironisch ins Groteske verkehrt.

Sabine Schiffer