Clages Gallery | Claus Richter – Mirrored Mountain Castle – Pressetext
16513
page-template-default,page,page-id-16513,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-13.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.5,vc_responsive

Claus Richter – Mirrored Mountain Castle – Pressetext

10. September bis 22. Oktober 2011

„Zu einem Verrückten gehe ich auf keinen Fall.““Danach wirst Du gar nicht gefragt, die meisten von uns hier sind verrückt. – Oder hast Du nicht bemerkt, daß ich sie nicht alle beieinander habe, mein Liebling?“(Aus dem Dialog zwischen Alice und der Grinsekatze in Disneys Version von Alice im Wunderland.)Noch während sie ihre Worte spricht, löst sich die Grinsekatze auf, zuerst verschwinden ihre violetten Streifen und es bleibt für einen Moment das rosa Gerüst einer Katze.

Sie finden das irgendwie witzig? – Manchmal bedarf es eines kleinen Schritts ausserhalb der alltäglichen Empfindungen, um etwas zu erkennen. Eine zweifelnde Grundstimmung mag hilfreich sein, Sorgen, vielleicht auch eine Einsicht. Dann plötzlich, wird man der Schatten gewahr. Kein Zeichentrickfilm Disneys ist von solch umfassender Dunkelheit, welche einen klaustrophobisch umgreift, während fortwährend der Boden unter den Füssen schwindet. Sich mit Alice zu identifizieren, ohne, gleich der furchtlosen Space Cadettin, alle Gegebenheiten anzuerkennen, führt in die Angst.

Kontrollverlust! Alles was die unzähligen Ratgeberbücher dieser Welt im „Du kannst es schaffen!“-Imperativ übertönen wollen, stürzt nun auf einen ein. Keine Rettung, kein Glanz. Auch nicht auf der Showbühne, dem Simulacrum unsterblicher Größe.

Dort treffen wir jedoch Disneys Alice wieder, als Tinkerbell in „Peter Pan“ und als Aurora in „Dornröschen“. Die Grinsekatze allerdings verschwindet. Sie bleibt eine enigmatische Figur, gleich der Max Schrecks in Murnaus Nosferatu. Ja, tatsächlich vielleicht ein Wesen jenseits von Zeit und Raum. Während das Gerüst einer Katze nur einen eingefrorenen Moment ihres Seins repräsentiert, marschiert für uns die Zeit auf Claus Richters Uhren unbarmherzig und in stiller Grausamkeit. Dieses Verschwinden der Ordnung als ein geordnetes Verschwinden zu repräsentieren, beruhigt nur vordergründig. Es verheißt einen sicheren Ort des Verweilens, eine Schutzzone der zurückgezogenen Privatheit. Das erträumte Refugium leidender Märchenkönige. Doch der Blick aus dem Fenster in die Welt (und sei es nur die virtuelle) wird alle bange Einsicht wieder erwecken. „Claus Richter begeistert sich für die Verlockungsmechanismen der Warenwelt“ schreibt dort das sozialistische Net-Magazin „Die rote Fahne“. Darüber, ihre Anzeige des eigenen Internetshops in dem man individuell revolutionär bedruckte Kaffeebecher erwerben kann. – Sie finden das irgendwie witzig? Nun habe ich doch gar nichts von „Interventionen im Raum“ erwähnt. Es muss daran liegen, daß ich sie, wie gesagt, nicht alle beieinander habe.

Entschuldigen Sie mich.

Oliver Tepel